Premiere „Sterben20“

ORF-Kulturdokus zu Allerheiligen: Premiere „Sterben 2.0 – Der neue Umgang mit dem Tod“ und „Grabgeschichten“ mit Heller/Stermann

Am 1. November ab 22.05 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) – Als Teil des ORF-Schwerpunkts zu Allerheiligen/Allerseelen (Details unter presse.ORF.at) präsentiert die ORF-TV-Kultur am Montag, dem 1. November 2021, ab 22.05 Uhr in ORF 2 zwei themenaffine Dokumentationen. Als TV-Premiere steht der neue Film „Sterben 2.0 – Der neue Umgang mit dem Tod“ von Katharina Liebert und Stefan Wolner auf dem Programm, der sich mit dem Bedürfnis nach Spiritualität abseits der kirchlichen Tradition beschäftigt, sowie der Frage, wie sich der Trend zu Individualismus und Selbstinszenierung auf die Wahrnehmung der eigenen Vergänglichkeit auswirkt. Die spirituelle Frage, was nach dem Tod kommt, weicht praktischen Überlegungen, wie man mit der eigenen Sterblichkeit umgeht oder was man der Nachwelt hinterlassen möchte. Anschließend zeigt ORF 2 ein Dacapo der Produktion „Grabgeschichten – André Heller und Dirk Stermann besuchen den Hietzinger Friedhof“ (23.00 Uhr).

„Sterben 2.0 – Der neue Umgang mit dem Tod“ (22.05 Uhr)

Es ist die einzige Gewissheit, die uns das Leben bereithält, zugleich Kränkung und gesellschaftliches Tabu: unser Tod. Dieses für die meiste Menschen unliebsame Thema ist wie viele Bereiche des Lebens stark vom gesellschaftlichen und kulturellen Wandel betroffen. Die zunehmende Abkehr von traditionellen Religionen wird von der Suche nach einer neuen Spiritualität abgelöst, die sich auch auf das Sterben auswirkt. Immer mehr Menschen wollen naturnah bestattet werden und so dereinst eingehen in den ewigen Kreislauf. Die Sehnsucht nach Unsterblichkeit spiegelt u. a. die Gier nach Ruhm durch Selbstinszenierung in den sozialen Medien wider und setzt sich auch in der Gestaltung unseres digitalen Nachlebens fort. Der Film „Sterben 2.0 – Der neue Umgang mit dem Tod“ berichtet von Bestattungs-Start-ups, der Alm als letzter Ruhestätte, von QR-Codes auf Grabsteinen oder Online-Friedhöfen: Internet-Plattformen, die der Erinnerung an Verstorbene dienen. Zu Wort kommen u.a. die Künstlerin und Philosophin Elisabeth von Samsonow sowie Philosoph Franz Schuh.

Dem Begriff „Death Café“ haftet etwas Makaberes an – und doch steht er dafür, dem Tod etwas von seinem Stachel zu nehmen. Einmal im Quartal trifft sich eine Gruppe Gleichgesinnter in einem Wiener Kaffeehaus, um die eigene Endlichkeit ganz genau ins Visier zu nehmen und um das vielleicht letzte große Tabu unserer Gesellschaft ein wenig aufzubrechen. Stets gibt es viel Süßes in Form von Mehlspeisen, um der Bitternis des Themas etwas entgegenzusetzen.
Reiner Pragmatismus dominiert im ersten digitalen Bestattungshaus Österreichs. Das Start-up befindet sich auf Expansionskurs. Herzstück ist der Online-Konfigurator: ob Urne oder Sarg, vom Blumenschmuck bis zur Trauerrede kann man hier seine Bestattung digital buchen.
Aber wie ordnet man sein digitales Nachleben? Auf immer mehr Friedhöfen finden sich auf Grab- und Gedenksteinen QR-Codes. Ein digitales Erinnerungsprojekt ist mit der nationalen Gedenkstätte der „Gruppe 40“ auf dem Wiener Zentralfriedhof verbunden, das dem Gedenken der Widerstandskämpfer/innen gegen das NS-Regime gewidmet ist.
Naturnahe Bestattung wird auf dem Land der Forstverwaltung Mayr-Melnhof in Salzburg großgeschrieben. Hier betreibt Max Mayr-Melnhof auch sein Unternehmen Paxnatura: Gewisse Areale seines 6.000 Hektar großen Besitzes verpachtet er zum Zweck der naturnahen Bestattung. 250 Plätze sind bereits mit Urnen belegt. Eine Naturbestattungsfläche ist die „Vierkaseralm“ auf 1.600 Metern Seehöhe.

„Grabgeschichten – André Heller und Dirk Stermann besuchen den Hietzinger Friedhof“ (23.00 Uhr)

Ein Friedhof ist ein geschichtsträchtiger Ort. Hier versammeln sich all jene, die zu Lebzeiten niemals zueinander gefunden hätten. André Heller ist im Wiener Bezirk Hietzing aufgewachsen. Der örtliche Friedhof ist ihm seit seinen Tagen als Ministrant vertraut, unzählige Geschichten ranken sich um dessen „Belegschaft“. Hier liegen unter anderem begraben: der Maler Gustav Klimt und der Architekt Otto Wagner; die TV-Legende Heinz Conrads und die Geliebte des Kaisers, Katharina Schratt. Die Gräber von Engelbert Dollfuß und Alban Berg kann man entdecken sowie jenes vom Chef des Generalstabs Österreich-Ungarns, Conrad von Hötzendorf. Hier findet man Franz Grillparzer neben dem letzten Kammerdiener von Ludwig VI., und auch Elise Stein liegt hier begraben, wenig bekannt und doch weltberühmt, hat Beethoven doch ihr zuliebe „Für Elise“ komponiert. André Heller kennt zahlreiche Anekdoten, Begebenheiten und Gerüchte zu den Damen und Herren des Hietzinger Friedhofs und lässt im Gespräch so manchen toten Zeitgenossen sehr lebendig erscheinen. Regie: Lukas Sturm, André Heller.